Unser neues Projekt in Indien

2010 brachte eine Indienreise FamilyGames in intensiven Kontakt mit der Kultur und den Menschen Indiens. Die Reise ging vorrüber, die Verbindung aber blieb und so konnte Anfang Februar 2011 der FamilyGames Kindergarten eingeweiht werden.

Die positiven Erfahrungen, welche wir im Zuge dieses Projektes mit interessierten privaten und unternehmerischen Spendern sammeln konnten, beflügelte uns zu neuen Ideen und Zielen zur Linderung der Not indischer Kinder.



Bildung für Dalit-Kinder – Voraussetzung zur langfristigen Überwindung von Kasten- und Klassenschranken

Kinderarbeit in Indien – besonders bei Dalits ein weit verbreitetes Problem

Kinderarbeit ist ein weltweites Problem, allein in Indien arbeiten nach offiziellen Angaben 12,5 von 252 Millionen Kindern zwischen fünf und 14 Jahren. Damit ist Indien — nach offiziellen Angaben — das Land mit der größten Zahl an Kinderarbeitern weltweit. Die inoffizielle Anzahl der Kinderarbeiter wird jedoch deutlich höher geschätzt, da mehr als 65 Millionen Kinder, sprich jedes vierte Kind, zwischen sechs und 14 Jahren, nicht in die Schule gehen. Es handelt sich hierbei vor allem um Kinder der unteren Kasten (Dalits) und der Ureinwohnergemeinschaften, die als Menschen zweiter Klasse gelten und behandelt werden.

Die Dalits, Nachfahren der indischen Ureinwohner, werden vielfach bis heute aus rassistischen Gründen als „Unberührbare“ aus dem Kastensystem ausgeschlossen. Obwohl offiziell laut indischer Verfassung abgeschafft, leben das Kastensystem, insbesondere die Ausgrenzung der Dalits, weiter fort.


Mangelnde Schulbildung bedingt durch Armut und Kinderarbeit verwehren den Dalits den Zugang zu Bildung und damit die Möglichkeit des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufstiegs. Der viel zitierte wirtschaftliche Aufschwung Indiens ist an diesen Menschen weitgehend vorbei gegangen.

Ihr monatliches Familieneinkommen von rund 25 € verdienen die Dalits als Tagelöhner auf den Feldern der Reichen, sowie als saisonale Wanderarbeiter in naheliegenden Städten. Kinder im Alter von 8 und 14 Jahren werden frühzeitig in den Arbeitsprozess eingebunden. Insbesondere die Mädchen sind davon betroffen. Sie werden früher als ihre Brüder aus der Schule genommen, um Hausarbeiten zu tätigen und auf ihre Geschwister aufzupassen. Sie arbeiten zwischen 6 bis 8 Stunden täglich, 7 Tage in der Woche und brechen folglich die Schule frühzeitig ab bzw. werden nie eingeschult. Somit wird ihnen die Chance auf Bildung und Entwicklung dauerhaft verwehrt. Nur durch Bildung und die damit verbundenen Möglichkeiten für gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufstieg können die Menschen der dauerhaften und über Generationen fortlebenden Ausgrenzung und Armut entfliehen.

Abwasch

FamilyGames will mit diesem Projekt ein Zeichen setzen — gegen dauerhafte Unterdrückung und für einen ersten aber entscheidenden Schritt Richtung Chancengleichheit für die Dalits.

Zielsetzung – Grundschulbildung sicherstellen und Kinderrechte stärken

Ziel des über gut drei Jahre laufenden Projektes ist die Abschaffung der Kinderarbeit in 35 Dörfern im Distrikt Cuddallore im südindischen Staat Tamil Nadu. Dadurch leistet das Projekt einen aktiven Beitrag zur Realisierung der UN-Millennium Entwicklungsziele Nr. 1 — Beseitigung der extremen Armut und des Hungers und Nr. 2 — Verwirklichung der allgemeinen Primarschulbildung für alle Kinder.

Förderung der Kinderrechte und Sicherstellung der Grundschulbildung für Dalits – Ein Maßnahmenpaket, das hilft
  • Mit der Einrichtung von 4 non-formalen Bildungszentren sollen über drei Jahre mindestens 240 Kinder aus Kinderarbeit in staatliche Schulen zurückgeführt werden.
  • Mit dem Aufbau von 35 dörflichen Förderzentren sollen rund 900 Kinder erreicht und betreut werden, die aktuell Gefahr laufen, von der Schule abzugehen und in die Kinderarbeit abzudriften.
  • 35 Lehrer der Dorfschulen sollen Weiterbildungskurse durchlaufen, die dazu beitragen, Diskriminierung zu vermeiden und in den Schulen ein förderndes Umfeld für Kinder zu schaffen.
  • 35 Eltern/Lehrer-Komitees werden gegründet, um die Qualität der schulischen Angebote zu überwachen, Schulabbruch zu verhindern und regelmäßigen Schulbesuch der Kinder sicher zu stellen.
  • 12 Schülerparlamente sollen die Einbeziehung und Mitsprache der Kinder gewährleisten.
  • Der Bau von für Jungen und Mädchen getrennten sanitären Anlagen und Toiletten in den Dorfschulen soll dazu beitragen, dass sich die Schulabbruchrate bei Mädchen verringert und mehr Bewusstsein für Hygiene und Gesundheit geschaffen wird.
  • Mit Kleinkrediten für insgesamt 600 Frauen, die Selbsthilfegruppen organisiert sind, soll die Basis für zusätzliches Einkommen geschaffen werden, so dass Armut reduziert wird und damit einer der wesentlichen Gründe für Kinder-arbeit gemindert wird.


Frau in ihrem Geschäft Foto: Mit Kleinkrediten können sich Frauen eine eigene Existenz — wie hier ein kleines Geschäft — aufbauen

Partnerorganisationen:

Die indische Nichtregierungsorganisation „Rural Education and Action for Liberation“ mit Sitz in Pondicherry, Tamil Nadu, Indien führt das Projekt durch. Die in Bensheim an der Bergstraße beheimatete Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie sichert die fachliche Begleitung des Projektes.

Das Gesamtvolumen des über gut drei Jahre laufenden Projektes beträgt knapp 300.000,- €.

75 % der Kosten werden durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) getragen. Ziel von FamilyGames ist es, 10 % der Finanzierung, d.h. 30.000,- € zu mobilisieren.

Helfen auch Sie mit, Jahrhunderte alte Kastenstrukturen aufzubrechen und Kindern durch den Zugang zu Bildung eine faire Chance zu eröffnen.